Wie aus einer Spontanidee ein Abenteuer wurde
Manchmal entstehen die besten Pfadfinderideen ganz nebenbei. Im Winter überbringen wir als DPSG Stamm Bardenberg traditionell das Friedenslicht aus Betlehem auf Schloss Merode in der Gemeinde Langerwehe. Bei einem dieser Besuche kamen wir mit dem Schlossherrn, Prinz Albert-Henri von Merode, ins Gespräch. Begeistert von unserem Engagement lud er uns spontan ein, im Sommer mit unseren Wölflingen einige Tage auf dem historischen Gelände der Wasserburg zu verbringen.
Einige Monate später fragten wir den Pfadfinderstamm Stolberg, ob sie Lust hätten, daraus ein gemeinsames Stufenlager zu machen. Die Idee kam hervorragend an, und aus einem spontanen Gedanken entwickelte sich ein unvergessliches Pfadfinderabenteuer vor der Kulisse des Renaissance-Schlosses.
Die grobe Planung begann bereits im vergangenen Jahr. Eine der wichtigsten Fragen war die Sanitärversorgung für mehrere Tage auf dem Burggelände. Die Euregio Rohrreinigung aus Aachen supported uns tatkräftig und organisierte zwei Dixitoiletten. Auch beim Duschen wollten wir vorsorgen: Zwei Duschzelte wurden angeschafft, ergänzt durch einen mobilen, gasbetriebenen Durchlauferhitzer aus Bardenberg.
Tag 1: Freitag, 22. August – Anreise und Lageraufbau
Unser Aufbautrupp machte sich bereits am frühen Morgen auf den Weg zur Burg Merode, um das Areal vorzubereiten. Neben dem großen Aufenthaltszelt und dem Küchenzelt bauten wir eine Leiterjurte auf, die den Leiterinnen und Leitern als Unterkunft dient. Als gegen 14 Uhr die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern eintrafen, war alles bereit für den Start. Das Wetter zeigte sich zunächst wechselhaft mit kurzen Regenschauern, gefolgt von sonnigen Abschnitten.
Nach der Ankunft trafen wir uns zu einem gemeinsamen Willkommenskreis, erklärten die wichtigsten Regeln und stimmten uns auf die kommenden Tage ein. Anschließend ging es direkt an den Zeltaufbau. Die Kinder bauten ihre Schlafzelte mit unserer Unterstützung selbst auf und konnten dabei direkt zeigen, was sie schon können. Dabei wurde gemeinsam ausprobiert, aufgebaut, abgespannt und an der einen oder anderen Stelle natürlich auch noch einmal nachgebessert. Am Ende standen die Zelte und die Kinder konnten stolz auf das Ergebnis sein. Sie haben das wirklich gut gemacht und damit direkt selbst dafür gesorgt, dass ihr Zuhause für die nächsten Tage auf der Burg entstand.
Währenddessen kümmerte sich Finnja um die Lagerküche. Sie vertrat an diesem Wochenende Tobi, der leider krank geworden war, und zauberte das erste gemeinsame Abendessen. Satt und müde von den ersten Eindrücken kehrte nach dem Essen langsam Ruhe ein, und die Kinder gingen in ihre Zelte.
Tag 2: Samstag, 23. August – Erste Lagerbauten und lieber Besuch

Am nächsten Tag standen die ersten Lagerbauten auf dem Programm. Gemeinsam mit den Kindern bauten wir einen Fahnenmast und hissten daran unsere Stammesfahne. Außerdem bauten wir einen Kletterbaum. Auch eine Jurte entstand, die zusätzlich zu unserem bereits aufgebauten Aufenthaltszelt als weiterer gemeinsamer Treffpunkt dienen sollte. Gerade solche Bauprojekte sind für die Kinder immer etwas Besonderes, weil am Ende etwas entsteht, an dem sie selbst mitgearbeitet haben.
Leider mussten wir uns an diesem Tag auch von zwei Kindern verabschieden, die aufgrund von Heimweh vorzeitig nach Hause gefahren sind. Nach dem Mittagessen ging es für die übrigen Wölflinge auf einen nahegelegenen Spielplatz, wo ausgiebig gespielt und getobt wurde. Am Abend bekamen wir noch Besuch von Tamara, der Bezirksvorsitzenden unseres DPSG-Bezirks Aachen-Land. Gemeinsam verbrachten wir Leiter einen gemütlichen Abend und ließen den Tag in entspannter Runde ausklingen.
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Tag 3: Montag, 25. August – Handwerkskunst, Infrastruktur-Upgrade und Dusch-Premiere
Am Montag stand ein besonderer Ausflug auf dem Programm. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Töpfereimuseum Langerwehe. Die Region ist seit dem Mittelalter für ihr traditionelles Töpferhandwerk und das weit bekannte „Langerweher Steinzeug“ berühmt. Im Museum erfuhren die Kinder Vieles über diese Jahrhunderte alte Handwerkskunst und die Arbeit mit Ton. Besonders spannend war die Vorführung an der Töpferscheibe, bei der sie beobachten konnten, wie aus einem einfachen Stück Ton ein fertiges Gefäß entsteht. Anschließend durften sie in der Werkstatt selbst kreativ werden und eigene Gegenstände aus Ton gestalten.
Zurück auf der Burg räumten wir die Zelte auf und brachten wieder Ordnung ins Lager. Eine tolle Nachricht gab es auch in der Küche: Tobi war wieder gesund und konnte endlich nachkommen.
Für einen echten Komfortgewinn im Lageralltag sorgte ein weiterer Transport: Wir holten am Montag einen Spültisch aus unserem Pfadfinderhaus in Bardenberg und zimmerten daraus eine praktische Spültheke. Das war ein riesiges Upgrade für das gesamte Team. Anstatt wie bisher mühsam auf dem Boden in Eimern abzuwaschen, konnten wir das Geschirr nun bequem im Stehen reinigen. Auch das regelmäßige Händewaschen wurde dadurch für die Kinder und die Leiter viel einfacher und hygienischer.
Am Nachmittag wurde es dann noch einmal technisch. Wir bauten unsere zwei Duschzelte auf und versahen sie mit Bauzäunen als Sichtschutz für ausreichend Privatsphäre. Mit unserem gasbetriebenen mobilen Durchlauferhitzer schlossen wir die Wasserversorgung an. Nach dem ersten Test waren alle begeistert: Das warme Wasser funktionierte einwandfrei und einer warmen Dusche auf dem Burggelände stand nichts mehr im Wege.
Tag 4: Dienstag, 26. August – Kreativität, Besuch und eine schaurige Nachtwanderung im Meroder Wald
Der vierte Lagertag begann angenehm entspannt. Nach dem Frühstück hatten die Wölflinge reichlich Zeit für freies Spielen und konnten den Vormittag auf dem Gelände der Burg Merode in vollen Zügen genießen. Zur Stärkung gab es zum Mittagessen ein bei Kindern besonders beliebtes Gericht: knusprige Fischstäbchen mit frischem Kartoffelstampf.
Am Nachmittag stand ein abwechslungsreiches Stationsspiel auf dem Programm. In kleinen Gruppen durchliefen die Kinder nacheinander fünf verschiedene Kreativ- und Lerneinheiten, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei war. Die Nachwuchspfadfinder stellten bunten Schleim her, gestalteten aus lufttrocknender Modelliermasse eigene kleine Kunstwerke und bemalten T-Shirts nach ihren Wünschen. Aus leeren Papprollen entstanden zudem pfiffige Sternbildprojektoren für die Nacht. An einer besonders praktischen Station bastelten die Kinder ein Papiertaschenmesser, auf dem sie direkt die wichtigsten Pfadfinder-Schnitzregeln festhielten.
Neben dem Programm gab es an diesem Tag auch Grund zur Freude über Besuch aus der Heimat: Johanna vom Stamm Stolberg und Lisa vom Stamm Bardenberg schauten für einen Tagesausflug vorbei. Johanna überraschte die Gruppe sogar mit selbstgebackenen Brownies, die blitzschnell verputzt wurden. Außerdem konnten wir Laura aus unserem Bardenberger Stamm endlich auf dem Lager begrüßen. Nach einigen privaten Verpflichtungen reiste sie am Dienstag nach und verstärkt das Team für den restlichen Teil der Woche.
Nach einem deftigen Abendessen mit frisch zubereiteten Hamburgern wartete das Highlight des Tages: eine Gruselnachtwanderung durch den dichten Meroder Wald. Die Geschichte dazu zog die Kinder sofort in ihren Bann. Der alte Burgwächter hatte seinen Schlüssel verloren, den die mutigen Wölflinge nun im Dunkeln wiederfinden mussten. Auf ihrem Weg galt es, leuchtende Augen und Geister im Unterholz zu zählen. Für den einen oder anderen erschrockenen Aufschrei sorgte ein gruseliger Clown,
der zur Mitte der Strecke plötzlich auftauchte. Die Mühen wurden belohnt: Die Gruppe spürte den verlorenen Schlüssel auf und durfte stolz eine versteckte Schatzkiste öffnen. Müde, glücklich und mit vielen Gänsehaut-Momenten im Gepäck kehrten am Spätabend alle ins Lager zurück.
